FDP.Die Liberalen
Kanton Zürich
Kanton Zürich
19.09.2017

Zehn Jahre - zehn Fragen - eine Person

Fraktionspräsident Thomas Vogel feiert sein zehntes Amtsjahr. Für jedes geleistete Jahr stellt ihm der politische Sekretär Bernhard Stotz eine Frage.

Herr Fraktionspräsident, seit nunmehr zehn Jahren üben Sie das Amt des Fraktionspräsidenten aus. Werfen Sie einen Blick zurück, mit welchem Gefühl haben Sie vor zehn Jahren dieses Amt übernommen?

Wenn man ein solches Amt übernimmt, dann tut man dies mit Respekt. Man spürt Druck, weil man weiss, dass man an den Leistungen der Fraktion gemessen wird. Man möchte also unbedingt erfolgreich sein. Die Situation der FDP war damals eine schwierige – genau das hat mich indessen angespornt. Auch, weil ich sicher war, mit dem damaligen neuen Parteipräsidenten Beat Walti gut zusammenarbeiten zu können – was für dessen Nachfolger Hans-Jakob Boesch im Übrigen genauso gilt. Auch, dass man vom Fraktionsvizepräsidium gut unterstützt wird – was bei mir zuerst mit Regine Sauter, dann mit Peter Vollenweider stets der Fall war.


Inwiefern hat sich Ihre Arbeit denn gelohnt?

Auf die Gefahr hin, nun «pro domo» zu reden: Ich glaube, die Fraktion ist in einem ausgezeichneten Zustand. Das hängt primär natürlich damit zusammen, dass wir extrem gute Leute haben. Die Fraktion ist kollegial und einheitlich. Dass die FDP-Fraktion punkto Abstimmungsverhalten die geschlossenste Fraktion im Rat ist, ist keine Selbstverständlichkeit und war in der Vergangenheit lange nicht so. Das freut mich sehr, weil wir so unsere Schlagkraft voll ausnützen als «Speerspitze» der Partei, indem sich jeder dann und wann etwas zurücknimmt. Und natürlich hat der enorme Wahlerfolg im Jahr 2015 mit 8 Sitzgewinnen gezeigt, dass wir bereit und gut aufgestellt waren.


Wie muss ich mir die Arbeit des Fraktionspräsidenten mit seiner Fraktion vorstellen – wie die eines Fussballtrainers?

Ja, das ist wohl nicht völlig abwegig (lacht). Wenn’s auch Gott sei Dank nicht ganz so ein Schleudersitz ist. Aber motivieren, überzeugen, vermitteln und priorisieren zu können, einen blauen Faden erkennbar zu machen, hat sicher zentrale Bedeutung. Ebenso auch der Austausch mit dem Parteipräsidenten und den eigenen Regierungsräten. Ich bin lediglich «Primus inter Pares», Erster unter Gleichen, und von der Fraktion gewählt. Von oben herab Anweisungen erteilen, funktioniert nicht. Bei Freisinnigen ganz besonders nicht. Unsere Fraktionssitzungen sind deshalb keine Befehlsausgaben, sondern vielmehr Diskussionsrunden. Und alle, die möchten, kommen zu Wort. Das ist mir sehr wichtig und die Voraussetzung dafür, auch Entscheide loyal mitzutragen, bei denen man fraktionsintern in der Minderheit war.


Sie sagen, Sie seien der «Primus inter Pares», trotzdem üben Sie eine stille Macht aus. Sie entscheiden bei Personalfragen, vergeben wichtige Kommissionsposten, bestimmen weitgehend das Programm mit oder vermitteln unter den Parteien – sind die Aufgaben des Fraktionspräsidenten in den letzten Jahren wichtiger geworden?


Die Aufgabe war immer schon wichtig. Neu ist, dass im Kantonsrat zehn Fraktionen vertreten sind. Es gibt also wesentlich mehr Gespräche mit den Fraktionsspitzen der anderen zu führen als früher. Und: Den klassischen «Bürgerblock» gibt es nicht mehr. Heute ist die Zusammenarbeit situativ, wobei ich einen entspannten Umgang pflege zu allen Fraktionen. Dabei hilft die langjährige Einsitznahme in der Geschäftsleitung des Kantonsrates. Wichtig ist, dass wir uns in der Fraktion unsere Meinung bilden und dann auf die Suche nach Partnern gehen. Nicht umgekehrt. Natürlich sind in zentralen Fragen wie Finanzen, Steuern, Infrastruktur nach wie vor die SVP und die CVP unsere verlässlichsten Partner. Aber es gibt zu beiden auch regelmässig fundamentale Unterschiede, so dass von Fall zu Fall auch andere Partnerschaften möglich sind.


Wie steht Ihre Fraktion heute im Vergleich zu anderen Parteien da und wie äussert sich das?

Unsere Geschlossenheit habe ich bereits erwähnt. Im Rat und v. a. in der Kommissionsarbeit stelle ich immer wieder fest, dass es die Freisinnigen sind, die entscheidende Ideen und Impulse für Lösungen liefern. Ich glaube, wir agieren relativ frei von Ideologien und sind sachorientiert. Aber, natürlich, der liberale Kompass ist stets gerichtet.


Vor einem guten Monat hat die FDP ihre positive Halbzeitbilanz präsentiert. Trotzdem – auf den Lorbeeren ausruhen, liegt nicht drin. Wo muss die FDP Fraktion künftig noch stärker anpacken?

Abgesehen von anstehenden grossen Themen wie dem Umgang mit dem Bevölkerungswachstum, der Raumplanung, dem Verkehr oder der Digitalisierung, ist es seit Jahren dieselbe Herausforderung: Wie tragen wir nach aussen, dass wir konstruktiv und erfolgreich sind? Wie vermeiden wir, dass in der öffentlichen Wahrnehmung lösungsorientierte Sachpolitik im Klamauk und der teilweisen Hysterie, wie sie andere verbreiten, untergeht. Unter anderem dadurch, dass wir versuchen, alle öffentlichen Kanäle selbst zu bespielen, also auch Twitter und Facebook, dass die Homepage regelmässig Infos enthält und wir die Plattform des «Zürcher Freisinns» nutzen – wie jetzt gerade (lacht).


Mit welchem Gefühl sehen Sie den kommenden Wahlen entgegen?

Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Ich rechne nicht mit einem solchen Erdrutscherfolg wie bei den Wahlen 2015.
Aber wir sind immer noch auf dem aufsteigenden Ast. Wir haben Themen und Köpfe, wir sind auf allen Ebenen – FDP Schweiz, FDP Kanton Zürich und in den Ortsparteien – gerüstet. Das war nicht immer so. Wir werden kämpfen, auf die Strasse gehen und unsere Erfolge und Ziele nach aussen tragen.


Wenn man sich umhört, bekommt man eigentlich nur positive Stimmen über Sie zu hören. Ist das taktisches Kalkül oder sind Sie einfach ein geselliger und unkomplizierter Typ?

Es entspricht meinem Naturell, mit Leuten grundsätzlich auszukommen. Führung muss auch situationsgerecht erfolgen. In der Politik funktioniert der Kasernenton nicht – alle betreiben Politik freiwillig als Freizeitbeschäftigung und sind schnell weg, wenn man den Ton verfehlt. Führungspersönlichkeiten, die rumbrüllen und zusammenstauchen, sind in meinen Augen schlicht überfordert. Es gibt subtilere Wege – ohne gleich harmoniesüchtig zu sein.


Thomas Vogel gibt es auch privat. Was tun Sie, um den politischen Alltag mal ablegen zu können?

Nun gut, primär habe ich ja einen Beruf, der meinen Alltag prägt. Ausserhalb von Beruf und Politik findet aber ein reges Sozialleben statt. Meine Frau und ich besuchen sehr gerne Konzerte – wir sind grosse Jazz-Fans. Familie, Freunde, vier Göttikinder haben einen hohen Stellenwert. Ich lese viel und spiele gern auf meinem E-Piano – gesungen wird dazu allerdings nur zuhause (lacht). Und natürlich sind da meine beiden Stiftungsräte (Kinderspital und Zürcher Rehazentren – Anm. der Red.), der ACS, diverse Vereine und die Zunft zum Weggen, die meine Freizeit prägen.


Wo sehen Sie sich und die FDP in fünf Jahren?

Ich bin mir sicher, dass die FDP auch in fünf Jahren die sachorientierte, konstruktive, liberale, bürgerliche Partei sein wird, welche das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zu Recht gewinnt. Und ich hoffe, dass ich selbst dann meine Leidenschaft Politik noch immer betreiben darf.


Besten Dank für das Interview Herr Fraktionspräsident. Eine elfte Frage hätte ich noch, sozusagen fürs kommende Amtsjahr – wo ist Thomas Vogel auch mal unpolitisch?

Beim leidenschaftlichen Schauen von Formel-1-Rennen – live oder am TV. Da vergesse ich insbesondere jede «political correctness» (lacht laut).